(14. 9. 2017) Der  Hurrikan Irma sucht zurzeit die karibischen Inseln und den Florida heim.  Pauschalreisende, die einen Urlaub in die Karibik oder nach Florida gebucht haben, sind durch das deutsche Pauschalreiserecht (§ 651j BGB) geschützt. Wer dagegen als Individualreisender nur eine Einzelleistung wie einen Flug, einen Mietwagen oder ein Ferienhaus gebucht hat, ist auf die freiwillige Kulanz des Leistungserbringers angewiesen, da dessen Landesrecht gilt.

Pauschalreise eines Reiseveranstalters

Führich: „Wenn der konkrete Urlaubsort betroffen ist, kann vor Reisebeginn der Reisevertrag wegen höherer Gewalt gekündigt werden und der Reisepreis muss nicht bezahlt werden bzw. Zahlungen werden vollständig zurücküberwiesen.“  Auch darf der Reiseveranstalter dann keine Stornopauschalen oder Bearbeitungsgebühren in Rechnung stellen. Umgekehrt muss der Veranstalter die Reise auch nicht durchführen.

Informationspflicht: Reiseveranstalter sind reiserechtlich verpflichtet, die Wetterlage und deren Auswirkungen vor Ort im Blick zu behalten und zu entscheiden, ob eine ordnungsgemäße Durchführung der Reise gewährleistet werden kann. Vor Reiseantritt sollte beim Reiseveranstalter eine Bestätigung eingeholt werden, dass die Reise nicht durch die Auswirkungen des Unwetters beeinträchtigt ist. Kommen die Veranstalter ihrer Zielgebietsbeobachtungspflicht nicht nach, müssen sie den vollen Schadenersatz leisten, falls der Pauschalurlauber in einem Hotel mit abgedecktem Dach, ohne Stromversorgung oder in einer von der Flut unbewohnbar gewordenem Stadtteil strandet.

Wurde der Urlauber vom Hurrikan im Urlaub ereilt und hat er die Reise daraufhin abgebrochen d.h. rechtlich gekündigt , muss der Reisende die Kosten für Hin- und Rückflug sowie die Hotelkosten bis zum Urlaubsabbruch bezahlen. Der Reisende bekommt sein Geld nur für noch nicht erbrachte Reiseleistungen zurück. Der Veranstalter ist verpflichtet, den Reisenden schnellstmöglich zurückzubefördern. Ist der Rückflug teurer als der gebuchte Flug, werden diese Mehrkosten zwischen Urlauber und Veranstalter geteilt. Weitere Mehrkosten, etwa solche für einen längeren Aufenthalt, muss der Reisende vollständig allein tragen, allerdings sind Veranstalter oftmals insoweit kulant. Schadenersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter, z. B. wegen beschädigtem Reisegepäck oder nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit, hat der Reisende nicht.

Individualreise

Im Gegensatz zu Pauschalreisenden haben Individualreisende kein Kündigungsrecht wegen höherer Gewalt. Wer nur einen Flug gebucht hat, trägt grundsätzlich das Verwendungsrisiko des Flugs allein und ist auf Kulanz der Fluggesellschaft angewiesen. Nur wenn der Flug ersatzlos annulliert wird, wird der Flugpreis erstattet. Kosten für die Umbuchung auf eine andere Maschine müssen Individualreisende selbst tragen.

Auch Ferienwohnungsmiete von einem Vermieter (nicht von einem Reiseveranstalter als Einzelleistung) beurteilt sich rechtlich alleine nach dem Beherbergungsrecht des Zielgebiets. Insoweit muss der Mieter Kontakt mit seinem Vermieter suchen und eine Lösung vereinbaren.

Verbraucherzentrale NRW

Website Prof. Führich