In den vergangenen Wochen kämpfte Air Berlin mit Flugausfällen und zahlreichen Verspätungen. Die Entschädigungshandhabe will die Airline aber in der eigenen Hand behalten. Fluggastrechte-Portale sollen umgangen werden.

Prof. Führich hält dies für rechtskonform. Die EU-FluggastrechteVO sieht in Art. 7 zwar grundsätzlich einen Anspruch auf Zahlung in Geld vor, aber auch das vorherige Angebot eines Gutscheins. Gibt der Fluggast sich mit dem Gutschein zufrieden, muss er dem schriftlich zustimmen, betont Führich in seinem Kommentar Reiserecht (§ 42 Rn. 6).

Wie der „Tagesspiegel“ schreibt, bietet die Airline Passagieren Entschädigungen an, die deutlich über dem gesetzlich Vorgeschriebenen liegen sollen. Der Plan: Air Berlin will so Fluggastrechte-Portale wie Flightright, Fairplane und EU-Claim umgehen. Die Summen gibt es nur, wenn die Airline direkt angesprochen wird. Die Beträge werden allerdings nicht ausgezahlt, Air Berlin gibt sie als Gutscheine aus.

„Die Gutscheinwerte liegen 100 bis 150 Euro über dem Wert der vorgesehenen Entschädigung“, sagte eine Sprecherin dem „Tagesspiegel“. „Auf der Kurzstrecke werden 350 Euro Fluggutschrift anstatt 250 Euro Auszahlung angeboten.“ Bei Langstreckenflügen gebe es auf Wunsch Fluggutscheine über 750 Euro statt der 600-Euro-Ausgleichszahlung.

„Das ist durchaus ein cleverer Schachzug von Air Berlin“, sagt Lars Watermann, Geschäftsführer des Sofortentschädigers EU Flight, der fvw. Letztlich wollten die Kunden aber keinen Fluggutschein, sondern umgehend bar entschädigt werden. „Und inwiefern Gutscheine einer angeschlagenen Airline werthaltig sind, wird die Zukunft zeigen.“

Medienberichten zufolge haben seit Jahresanfang Tausende Passagiere Fluggastrechte-Portale wegen Air Berlin eingeschaltet, die für sie den Ausgleich für Verspätungen oder Flugausfälle eintreiben sollen. Laut Medienberichten hat allein Fairplane bereits knapp 1,9 Mio. Euro an Air-Berlin-Kunden ausgezahlt. (ASC/TOP) Quelle: FVW